Buntes Treiben unter grauem Himmel

Rheinische Post und NRZ / 04.03.2019 / Florian Langhoff

Der Senatorenwagen des Voerder Karnevalsvereins wird von den Jecken an der Zugstrecke begrüßt. Foto: Martin Büttner

 

Voerde. Der Tulpensonntagszug des Voerder Karnevalsvereins lockte rund 15.000 Jecken an die Zugstrecke in der Stadt.

 

Während sich viele Narren noch auf ihrem Weg in Richtung Zugstrecke befinden, regnet es sich in Voerde gerade etwas ein. Nieselregen ergießt sich auf die kostümierten Jecken, die auf den Start des Voerder Tulpensonntagszuges warten. „Es regnet ja gar nicht so viel“, kommentiert Stefan Schmitz, Vorsitzender des Voerder Karnevalsvereins die Wetterlage an der Strecke. Und tatsächlich scheint auch bei den aktiven Gruppen, die sich auf der Alleestraße in Zugreihenfolge versammelt haben, die Stimmung noch ganz gut zu sein.

 

Die Möllner Vikings, deren eigener Mottowagen einem Wikingerschiff nachempfunden ist, sind jedenfalls noch in bester Laune. „Uns macht es hier jedes Jahr Spaß“, sagt Tanja Vennemann von der Truppe. Und etwas Wasser kann Wikinger nicht schrecken. Da kommt Mark Sarres, der stellvertretende Vorsitzende des VKV vorbei. „Das mit dem Wetter bekommen wir noch hin“, versichert er den Vikings. Die feiern schon vor dem Start des Zuges mit einem dreifachen „Helau!“.

 

Dann setzt sich der Tulpensonntagszug in Bewegung. Und obwohl sich der Himmel noch immer in tristem Grau präsentiert, säumen Tausende Menschen die Zugstrecke. Wenn auch teilweise mit Regenjacken, Schirmen oder Capes ausgestattet. Es findet sich ein Sammelsurium von kostümierten Jecken: Kleine und große Tierwesen jubeln den vorbeifahrenden Karnevalswagen und vorbeiziehenden Fußgruppen und Spielmannszügen zu. Kleine Feuerwehrleute und Polizisten finden sich neben Elfen, Feen und Sternenkriegern. Jetpiloten feiern  neben Cowboys und Clowns.

 

Ein Hauch von Venedig in Voerde. Foto: Martin Büttner
 

Und alle wollen natürlich Kamelle haben, buhlen um die Aufmerksamkeit der Jecken auf den Karnevalswagen, die Bonbons, Schokolade, Chips und Popcorn von oben auf sie herabregnen lassen. Hier findet sich auch schnell eine alternative Verwendungs-möglichkeit für die mitgebrachten Regenschirme: Statt sie zu nutzen, um die Nässe von oben abzufangen werden sie umgedreht um einen möglichst großen Teil des süßen Segens aufzufangen, der sich kiloweise über die Jecken am Rand der Zugstrecke ergießt. „Immer rein damit!“, ruft ein als Elefant verkleideter Mann, während er seinen Regenschirm in dieser Weise nutzt und erntet eine Ladung Leckereien vom Elferrats-wagen.

 

Und die Stimmung bleibt trotz widriger Wetterlage gut. Wenn Wagen mit Musik vorbeikommen, feiern die Jecken an der Zugstrecke mit, singen und tanzen teilweise sogar neben den Wagen. „Helau“-Rufe ertönen und ein Kamelleregen löst die Tropfen vom Himmel ab. Von der nicht ganz optimalen Wetterlage lassen sich die Jecken die Stimmung nicht verderben und so sind über die ganze Zugstrecke verteilt kostümierte Karnevalisten zu sehen.

 

„Wir sind sehr zufrieden. Es sind trotz des Wetters noch sehr viele Jecken gekommen“, sagt Stefan Schmitz. Rund 15 000 waren es. Und die feierten meist friedlich. Laut Polizei gab es 36 Platzverweise, zwölf Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, Es gab elf Anzeigen wegen Körperververletzung, eine wegen Sach-beschädigung und zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zwei Polizisten wurden bei Widerstandshandlungen leicht verletzt.

 

Die Sonnenbrillen dienten ausschließlich der Verkleidung. Foto: Martin Büttner

Beim Voerder Zug gab es Kekse für Krümelmonster

NRZ / 04.03.2019 / Bettina Schack

Anmerkung der Internetredaktion: der VKV ermöglicht den Pressevertretern die Mitfahrt auf dem Elferratswagen. Bettina Schack (NRZ) hat sich dieses Mal dem Thema Fake News gewidmet und fehlerfrei über den Voerder Karnevalszug berichtet. Sollte sich dennoch der ein oder andere Druckfehler eingeschlichen haben, ist das mit voller Absicht geschehen :)

 

Wenn es aus dem Wagen Kamelle regnet, stehen nicht nur die Regenschirme kopf. Die Wagenengel von der Security haben alles im Blick. Foto: Heiko Kempken

 

Voerde.  Auch in diesem Jahr gab der VKV der NRZ die Gelegenheit, die Stimmung des Voerder Karnevalszugs hautnah vom Elferratswagen aus mitzuerleben.

 

11.06 Uhr. Die Kamelle sind griffbereit, der Wagen des Elferrats steht zur Abfahrt bereit. Noch fünf Minuten, bis er sich als zweiter Wagen des Voerder Karnevalszugs in Bewegung setzt. Es regnet. Leider nicht Konfetti. Aber für die Jecken sind diese Minuten vor Zugbeginn die Ruhe vor dem Sturm.

 

Elfmal habe ich in den letzten jecken Jahren von der Mitfahrt auf dem Elferratswagen berichtet. Ich war Hobbit auf der Suche nach dem närrischen Lindwurm, Jedi-Ritter auf der närrischen Seite der Macht, oder bin als Zimmerpflanze im Straßenkarneval an die frische Luft gekommen. Und immer habe ich dabei auch journalistisch über die Strenge geschlagen, weil Karneval die Zeit der Parodie, Phantasie und Satire ist und ich auf diese Weise den emotionalen Gehalt des Verkleidens und Karnevalsfeierns wiedergeben konnte.

 

Aber in Zeiten von Fake News und erfundenen Reportagen ist diese Unbeschwertheit vorbei. Und deshalb sage ich es frei heraus bei meinen rosa Haaren und roten Hörnern aus Pailettenstoff: „Ich bin ein Fehlerteufelchen.“

 

Mit Feiereifer dabei

 

Eigentlich habe ich meine Finger auf der Tastatur und sorge für Buchstabendreher, das Auf und Ab der Feststelltasten und was es sonst für fiese Fehler gibt. Dat ist prima, da binnisch mit Feiereifer dabei (Feuereifer. Anm. d. Red.). Aber als Fehlerteufel hat man es ja in diesem Jahr zu großen karnevalistischen Ehren gebracht. Und das kam so. Die Idee war, das „ch“ und das „l“ aus „mach mal“ zu streichen, um das Kinderwort für Mutter, „Mama“ etymologisch endlich einmal korrekt zu erklären. Dann bekam die Mama den Zunamen „Lauda“ und der Rest schallt gerade aus der Box des Elferratswagen. Sekunden später knallt es und es ist aus mit der Musik. Das war aber „Beate, die harte Granate“, die da einschlug.

 

Doch jetzt ist es endlich 11.11 Uhr, jetzt geht dat Trömmelsche, der Zug setzt sich in Bewegung und mit ihm das Fehlerteufelchen. Petrus hatte schon in aller Frühe zum Schlag ausgeholt – ich mag keinen Segen von oben (Regen. Anm. d. Red.). „Der Regen ist aber nur virtuell“, erklärten Mark Sarres und Bürgermeister Dirk Haarmann beim Empfang für die Zugteilnehmer und Sponsoren im Kilometer 800. Na dann. Und ich habe mich schon gefragt, warum das Konfetti so wässerig und durchsichtig ist.

 

Dies ändert sich aber, als der Elferratswagen in die Frankfurter Straße einbiegt. Und die Luft wird noch bunter. Wir werden Kamelle, Chipstüten und sogar Pralinenschachteln (werfen. Anm. d. Red.). Da bekommt jeder an der Wegstrecke, was er möchte: Die ganz Kleinen die Bonbons, die Superhelden das Popcorn fürs Kino, die Krümelmonster Kekse und die Bürgermeister von Dinslaken und Voerde, die Seite an Seite auf dem Bürgersteig stehen, bekommen Geldscheine für die Kommunen – aus Schokolade.

 

Trotz des schlechten Wetters haben sich viele Besucher jeden Alters und jeder Herkunft in Voerde eingefunden. Es ist bunt. Und schon allein deshalb muss, entgegen den Gerüchten, die beim Empfang zitiert wurden, der Zug einer der schönsten und nicht schlechtesten am Neiderrhein (Niederrhein. Anm. d. Red. ) sein. Aber wahrscheinlich haben die Trolle Gegenteiliges gestreut, und die sind übler als alle Teufelchen zusammen.

 

Dafür sprechen auch die tollen Wagen und Fußgruppen, sei es von Bock am See (Rock. Anm. d. ...), die Wikinder aus Möllen (Wikinger!), der Rolf und die 7 Windruder (der Wolf und die 7 Windräder. DU bist jeck, Teufelchen) aus Hünx’ und auch die Schlümpfe von der Gebenshilfe leben alles (von der Lebenshilfe geben alles. Teufelchen, reicht es bald? Red.)

 

Am Kreisverkehr ist die Hölle los

 

Von der Bahnhofstraße geht es nach links ins Osterfeld, immer begleitet von den Wagenengeln, denen ich als Teufelchen hier einmal meine Anerkennung aussprechen muss. Dann hält der Zug im Radhaus (am Rathaus. Gleich dreh ich am Rad. Red.), damit auch die anderen Wagen hinter uns aufschließen können. Und dann kommt mein persönliches Lieblingsstück: Zwischen Parkdeck und Kreisverkehr ist die Hölle los! Hier geht’s heiß her. Obwohl: Rund um St. Paulus ist es auch nicht anders.

 

Dort ist die Straße noch einmal gesäumt von Bieren (Tieren. Red.), Feen, Piraten und Vampiren. Verteufelt, ich freu mich, dass ich froh sinn, Tanke, Tanke VKV, da ist die Dankstelle (dass ich Frohsinn tanke, danke VKV, da ist die Tankstelle . Red.) und das bedeutet, hier enden Zug und Narretei (Gott sei Dank. Red.)

 

Für mich Fehlerteufelchen geht es zurück in die Redaktion auf die Tastatur (neiiiin! Red.). Und wenn Sie, liebe Leser, das nächste Mal etwas lesen, bei dem ich die Finger im Spiel hatte, wissen Sie: Am Aschermittwoch ist nicht immer alles vorbei: „Hell-Au!“

 

Helau am Niederrhein - Ordentlich Stimmung beim Karnevalszug am Tulpensonntag in Voerde

Lokalkompass Dinslaken / 04.03.2019 / Lisa Peltzer

Fotoserie Lokalkompass Dinslaken: Marie Hilterhaus

Das eher mäßige Wetter tat der Stimmung beim diesjährigen Karnevalszug am Tulpensonntag durch Voerde keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Stimmung war bestens.

 

Seite an Seite feierten Dirk Haarmann und Dr. Michael Heidinger, Bürgermeister der Städte Voerde und Dinslaken, den Höhepunkt der närrischen Tage. Ihnen taten es Tausende nach. Klein und Groß in den lustigsten Kostümen säumten den Weg der Wagen, die sich von der Allee aus Richtung Innenstadt bewegten.